Retouren: Obhutsplicht gegen Warenvernichtung

Veröffentlicht am: 07.01.2020 | Autor: Die Transportbotschafter | Kategorie(n): Nachhaltigkeit

Schluss mit der Retourenvernichtung - Slogan vor Paketen vor einem Schredder

Allein in den letzten beiden Monaten 2019 versendeten die Deutschen rund 690 Millionen Pakete, viele davon Retouren – zu groß, zu klein, gefällt nicht. Doch anstatt in den Wiederverkauf wandern viele retournierte Artikel in den Müll. Im vergangenen Jahr wurden schätzungsweise 20 Millionen retournierte Artikel entsorgt. Damit dürfte bald Schluss sein. Wie Medien berichten, plant Bundesumweltministerin Svenja Schulze eine Obhutspflicht, die der Retouren-Vernichtung einen Riegel vorschieben soll. „Unser Ziel ist es, unnötige Ressourcenverschwendung zu vermeiden. So lange neue Produkte funktionsfähig sind, sollen sie weiter genutzt werden“, hatte Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth bereits im September verkündet. Die Vernichtung von Waren aus Überhängen und Retouren sollte demnach nur aus gesundheitlichen oder Sicherheitsgründen gestattet sein. Bei leicht beschädigter Ware schlug das Bundesumweltministerium ein Wiederverkauf zu reduzierten Preisen oder das Spenden der Ware vor.

Das Problem dabei: Die Entsorgung ist häufig ökonomisch sinnvoller als ihre Alternativen. Das hat die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg ermittelt. 7,5 Mio. Artikel werden demnach vernichtet, weil die Verwertung unwirtschaftlich oder das Spenden zu aufwendig, risikoreich oder teuer ist. Rund eine Million Artikel werden entsorgt, weil die Marken- und Patentinhaber das vorgeben und den Händlern eine Verwertung aktiv untersagen.

Retouren fordern das Transportgewerbe heraus

Nachhaltiges Wirtschaften geht anders. Retouren verschwenden nicht nur wertvolle Ressourcen, sondern belasten Infrastruktur und Umwelt nicht unerheblich. Jede Online-Bestellung setzt die Logistikmaschinerie in Gang und löst Verkehr aus. Die Ware muss produziert, vom Hersteller zum Händler und schließlich zum Endverbraucher befördert werden. Alle Transporte, sofern sie nicht CO2-neutral geschehen, belasten unser Klima. Die Zahl der Transporte, die aufgrund des E-Commerce entstehen, steigen von Jahr zu Jahr.

Alleine die Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP-Dienste) haben 2018 pro Tag fast 12 Millionen Sendungen an Unternehmen und Endverbraucher geliefert. Das sind aufs ganze Jahr gerechnet 3,5 Mrd. Sendungen und zig Millionen zurückgelegte Fahrzeugkilometer auf der Straße. Mehr als je zuvor. Verglichen mit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Sendungen sogar mehr als verdoppelt, heißt es in der KEP-Studie 2019 des Bundesverbandes Paket und Expresslogistik (BIEK). Ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht: So rechnen die Experten bis 2023 mit einem jährlichen Plus an Sendungen von 4,7 Prozent.

Deutsche sind Weltmeister im Retournieren

Jeder von uns hat es schon getan: Eine online bestellte Sendung zurückgeschickt, weil die Ware doch nicht gefiel oder ein Kleidungsstück nicht passte. Ist auch kein Problem, der Käufer hat per Gesetz das Recht, ohne Angaben von Gründen innerhalb von 14 Tagen von seinem Online-Kauf zurückzutreten. Doch jede Rücksendung kostet den Händler Geld – das Porto, die Bearbeitung der Ware und die Wiedereinlagerung oder Entsorgung. Und nicht nur das: Der Händler bezahlt ja auch den Transport zum Kunden hin. Schickt dieser die Ware zurück, legt er am Ende drauf, da er nichts verkauft hat.

Die Deutschen gehören zu den Weltmeistern im Zurückschicken von online bestellter Ware. Knapp die Hälfte der Besteller kalkuliert die Rücksendung bewusst mit ein. Vor allem bei Bekleidung, die der Kunde nach Lieferung zu Hause anprobiert, ist die Retourenquote hoch. Viele ordern das gleiche Teil in zwei Größen, die Retoure ist programmiert, da voraussichtlich nur eines passt. Händler, die die Rücksendung erschweren oder gar kostenpflichtig machen, reduzieren eher die Nachfrage als ihre Rücksendequote. Das haben Untersuchungen des Marktforschungsinstitutes IFH Köln ergeben.

Versandkostenfrei gibt es nicht

Der E-Commerce bereichert unser Leben. Online bestellen ist bequem, die Auswahl im Internet riesig. Und daher sagen die Transportbotschafter „Everybody needs logistics”, aber nicht um jeden Preis. Wir appellieren an jeden, vor jeder Bestellung kurz darüber nachzudenken, ob er die Ware wirklich braucht. Falls nicht, könnte er von vornherein eine Retoure ausschließen oder das gewünschte Produkt vielleicht auf dem Hin- und Rückweg zur Arbeit beim stationären Handel beschaffen.

Auch Händler müssen unserer Ansicht nach umdenken. Wer mit dem Slogan „versandkostenfrei” lockt, erzeugt die Fehlinformation, dass Versand nichts kostet. Stattdessen könnten Händler dem Kunden anbieten, die Versandkosten für ihn zu übernehmen oder ihm diese einfach in Rechnung stellen. Dann können sie sich auch die Abwicklung der Retouren entsprechend bezahlen lassen. Damit erhöhen sie ihre Chancen, kostenneutral zu wirtschaften und schärfen das Bewusstsein der Kunden.

Habt ihr euch schon mal über die Verpackung von Waren Gedanken gemacht? Erfahrt mehr zur Verpackungslogistik und wie Logistik für saubere Städte sorgt.