Tiertransporte: Der Transport von Nutztieren folgt strengen Regeln

Veröffentlicht am: 19.06.2020 | Autor: Die Transportbotschafter | Kategorie(n): Logistikwissen

Tiertransporte-Schmuckbild mit einem Lkw, der hinter dem Fahrerhaus eine Kuh, ein Schwein und ein Huhn transportiert

Jeden Tag transportieren Lkw lebende Tiere durch Deutschland. Einige sind auf dem Weg zu Zucht- oder Mastbetrieben, adere zu Sportveranstaltungen oder Zoos. Die allermeisten Tiere aber werden zu Schlachthöfen transportiert. Unabhängig davon, aus welchem Zweck die Tiere befördert werden, gelten für alle Tiertransporte strenge Transportregeln. Sie legen fest, wie viel Platz den Tieren während des Transports zur Verfügung stehen muss, wann ihnen Pausen zustehen und wie sie gesichert werden müssen, um keine Transportschäden davonzutragen.

Deutsche Schlachtbetriebe erzeugen acht Millionen Tonnen Fleisch

Deutschlands Nutztierbestand ist groß. So werden allein 159 Millionen Hühner, 12 Millionen Rinder und knapp 27 Millionen Schweine gehalten, um ihr Fleisch, ihre Milch oder ihre Eier zu Nahrungsmitteln zu verarbeiten. Fleisch zählt in Deutschland nach wie vor als Massenprodukt, weshalb die meisten Tiere zur Schlachtung vorgesehen sind. In etwa 130 Geflügelschlachtereien und weiteren 7.200 Schlachtbetrieben für Schweine und Rinder wurde im Jahr 2019 insgesamt knapp acht Millionen Tonnen Fleisch erzeugt, so das Statistische Bundesamt. Entsprechend häufig fahren die auf Viehtransporte spezialisierten Transportunternehmen die Betriebe an. Denn „die überwiegende Zahl der Transporte wird mit Lkw erledigt“, sagt Bianca Lind, Geschäftsführerin vom Bundesverband Rind und Schwein (BRS).

In den vergangenen Jahren wurden hierzulande viele regionale Schlachthöfe geschlossen, dafür sind Schlachtbetriebe in zentralen Lagen gewachsen. Damit haben sich die Transportwege eher verlängert. Über die Höhe von anfallenden Transportkosten und zurückzulegenden Transportwegen lassen sich nach Auskunft des BMEL allerdings keine allgemeingültigen Aussagen treffen. „Sind die innerdeutschen Transporte kurz, also dauern sie weniger als acht Stunden, sind sie nicht meldepflichtig und werden demnach statistisch auch nicht erfasst“, erläutert Lind. Vor allem Zuchttiere legten aber teilweise weite Strecken zurück. Linds Aussage zufolge transportiert Deutschland rund 100.000 tragende Zuchtrinder pro Jahr in andere europäische Länder sowie nach Nordafrika, Vorderasien und Russland.

Voraussetzungen für Tiertransporte

Wer lebendige Tiere gewerblich transportieren will, muss sich an die Tierwohl-Kriterien halten, die in der Tiertransportverordnung (EG) Nr. 1/2005 festgeschriebenen sind. Wichtigste Voraussetzung ist, dass die Tiere gesund auf den Transport gehen. Für alle Strecken von mehr als 65 Kilometern müssen die Transportunternehmer einen Tiertransportschein vorweisen können. Dieser dient als Nachweis darüber, dass sie über geschultes Personal und geeignete Fahrzeuge verfügen. Darüber hinaus benötigen die Fahrer von Tiertransportern ebenso wie eventuell beteiligte Betreuer einen Befähigungsnachweis. Immerhin müssen die Fahrer die Tiere nach bestimmten Fahrzeiten – bei Rindern mehr als 19 Stunden, bei Kälbern mehr als 9 Stunden und bei Schweinen mehr als 24 Stunden – zwischenzeitlich abladen und versorgen.

Die Lkw für Tiertransporte sind in zwei Kategorien erhältlich. Sogenannte Typ-1-Fahrzeuge können dann eingesetzt werden, wenn die Transporte nicht länger als acht Stunden dauern. Sie müssen nicht zwingend mit Tränken oder aktiven Lüftungssystemen ausgestattet sein. Reisen die Tiere allerdings mehr als acht Stunden, benötigen die Transporteure neben den Befähigungsnachweisen für ihre Fahrer und Zulassungen für die Transportmittel die sogenannten Typ-2-Fahrzeuge.

Diese Typ-2-Fahrzeuge müssen ein Tränkesystem, ein aktives Lüftungssystem sowie Temperatursensoren an Bord haben. Letztere überwachen, ob die Temperaturgrenzen von 5 bis 30 Grad Celsius im Laderaum eingehalten werden. Schließlich müssen diese Viehtransporter mit einem Satellitenüberwachungs-Tool ausgestattet sein. Das sendet alle 15 Minuten den Standort des Fahrzeugs, damit die Route des Lkw zu jeder Zeit verfolgt werden kann. Über das Kennzeichen sind alle Viehtransporte und deren Bewegungsprofile in einer elektronischen Datenbank erfasst, auf die die Behörden sämtlicher EU-Mitgliedstaaten zugreifen können. Polizei oder Zoll können bei Kontrollen so direkt überprüfen, ob der Viehtransport auf der richtigen Route unterwegs ist und wie lange er bereits rollt.

Wer grenzüberschreitende Tiertransporte realisiert, muss ein Fahrtenbuch führen.

Die wichtigsten Regelwerke für Tiertransporte innerhalb Deutschlands sind:

 

Wichtige Fragen & Antworten zum Viehtransport

Wie lange darf ein Tiertransport dauern?

Die zulässige Höchstdauer eines Tiertransports beträgt laut Tierschutztransportverordnung acht Stunden. Darüber hinaus bedarf es spezieller Vorkehrungen, etwa Typ-2-Fahrzeugen, regelmäßige Pausen oder Versorgungsintervalle.

Wie viele Tiere darf ein Lkw befördern?

Wie viele Tiere ein einzelner Lkw befördern darf, hängt von der Tierart, deren Gewicht, der Größe und den Transportbedingungen ab. Ausgewachsene Rinder dürfen beispielsweise auf zwei Ebenen transportiert werden und müssen mindestens 1,3 Quadratmeter Ladefläche haben. Für Geflügel wird der Viehtransporter in vier bis fünf Ebenen unterteilt, entsprechend können pro Fahrt deutlich mehr Tiere verbracht werden.

Benötigen Fahrer eines Tiertransports eine Sonderzulassung?

Lkw-Fahrer, die über längere Strecken (ab 65 Kilometer) lebende Tiere zu gewerblichen Zwecken transportieren, benötigen einen Befähigungsnachweis.

Regierung möchte Vorgaben verschärfen

Trotz aller Vorgaben zum Schutz der Tiere sieht die Bundesregierung weiteren Regelungsbedarf. So möchte sie etwa die Vorgaben für Transporte an heißen Tagen verschärfen, „sodass die Tiere etwa bei hohen Außentemperaturen auch auf kürzeren Strecken nicht mehr transportiert werden dürfen oder Transporte auf die Nachtstunden verlegt werden müssen“, sagt Lind.

Da es schon heute immer wieder zu Verstößen, bzw. unsachgemäßen Transporten kommt, plant das EU-Parlament derzeit einen Untersuchungsausschuss einzurichten. Er soll sich mit der Frage beschäftigen, wieso Viehtransporteure die geltenden Regelungen der EU-Verordnung zum Schutz von Tieren beim Transport nicht einhalten und wie der Austausch der Kontrollinstanzen über Landesgrenzen hinweg verbessert werden könnte.