Schnittblumen: Transport der Rosen von der Farm in die Vase

Veröffentlicht am: 13.02.2020 | Autor: Die Transportbotschafter | Kategorie(n): Logistikwissen

Flugzeug mit Rosen zum Valentinstag

„Rote Rosen sind die ewigen Boten der Liebe.“ Mit diesen Zeilen landete Schlagersänger Freddy Breck 1973 einen Hit. Und noch heute schenken sich die Deutschen zum Valentinstag als Zeichen ihrer Zuneigung füreinander am liebsten rote Rosen. Deutschland hat laut Statista im Jahr 2018 rund 1,4 Milliarden frische Rosen importiert. Doch woher kommen die vielen Schnittblumen und welche Herausforderungen stellt der Transport?

Transport von Schnittblumen oder schnell verderblicher Waren

Karuturi Global gehört mit jährlich rund 555 Millionen Schnittrosen zu den weltweit größten Produzenten. Die meisten dieser Blumen stammen aus Kenia in Ostafrika. Das indische Unternehmen baut beispielsweise auf riesigen Feldern am Naivasha-See nordwestlich von Kenias Hauptstadt Nairobi Rosen an.

Nach der Ernte exportiert Karuturi fast seine gesamte Produktion ins Ausland, unter anderem nach Holland und Deutschland. Rund 9.500 Kilometer Transportweg legen die Blumen insgesamt zurück. Erstaunlich: Zwischen der Ernte auf der kenianischen Farm und der Ankunft im Supermarkt oder Blumenhandel in Deutschland vergehen gerade mal vier bis fünf Tage.

Schnittblumen gehören zur Kategorie schnell verderblicher Waren und müssen sehr behutsam behandelt werden. Die vergängliche Pracht darf weder geknautscht, geknickt, noch zu lange zwischengelagert werden. Auf den Blumenfarmen werden die Rosen nach der Ernte deshalb sofort ins Wasser gestellt und gekühlt. Ab da benötigen sie über die gesamte Lieferkette eine Temperatur von zwei bis vier Grad Celsius.

Rosenimport per temperierter Luftfracht

Das erste Stück der langen Reise vom Naivasha-See legt das sensible Ladegut in verplombten Kühl-Lkw zurück. Sie befördern die Rosen 100 km über die Autobahn 104 und erreichen nach etwa drei Stunden Nairobi. Für den Transport haben die Erntehelfer die Blumen in stabile Kartonverpackungen gelegt.

Am Flughafen in Nairobi werden die Kartons zuerst durchleuchtet, um sicherzustellen, dass sich keine Drogen oder Sprengstoff darin befindet. Des nachts werden die Rosen schließlich in den Frachtraum der Flugzeuge verladen, weil es dann weniger heiß ist. Es muss schnell gehen und darf nicht länger als eine Stunde dauern, da die Kühlung der Flugzeuge nur während des Flugs funktioniert.

Die deutsche Frachtairline Lufthansa Cargo zum Beispiel fliegt mehrmals pro Woche zum Frachtdrehkreuz Frankfurt am Main. Dabei transportiert sie auch Rosen. Rund um Valentinstag sind die Frachtflugzeuge im Auftrag der Liebe im Sondereinsatz. Immerhin müssen die empfindlichen Pflanzen pünktlich zum 14. Februar die Geschäfte in Europa erreichen. LH Cargo fliegt in diesen Tagen mehr als 300 Tonnen Rosen von Kenia nach Deutschland. Das entspricht rund 11 Millionen Valentinsrosen oder 3 vollen Frachtflugzeugen vom Typ McDonnell Douglas MD-11.

Vom Flughafen per Lkw zu Großmärkten und Blumenläden

Die erste Station nach der Landung ist das Perishable Center mit 9000 m2 Lagerfläche auf dem Flughafengelände in Frankfurt. Für Rosen, die auf dem Flug zu warm geworden sind, geht es hier in eine Halle mit Vakuum-Kühlvorrichtung, wo die Blumen in 20 bis 30 Minuten auf 2 Grad Celsius runtergekühlt werden. Doch sämtliche Blumen bleiben hier nur kurz. Maximal sechs Stunden dauert es, bis die Ware entladen, geprüft, verzollt und für den Weitertransport freigegeben ist. Von hier aus geht es dann wiederum per Lkw zu den Großmärkten, Blumenläden und Supermärkten. Airline, Bodenabfertiger und Spediteure arbeiten Hand in Hand.

Größte Blumenauktion der Welt im holländischen Aalsmeer

Häufiger als nach Frankfurt am Main haben Fracht-Jumbos mit Paletten voller Blumen das Ziel Niederlande. 80 Prozent aller Blumen, die nach Europa importiert werden, landen nach etlichen Flugstunden auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol. Von dort aus werden sie mit Trucks großteils zur genossenschaftlichen Royal Flora Holland nach Aalsmeer befördert, der weltgrößten Vermarktungsorganisation für Schnittblumen und andere Pflanzen.

Aalsmeer liegt inmitten der holländischen Blumenregion. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass genau in dieser Gemeinde die größte Blumenversteigerung der Welt zu finden ist. Im Auftrag der Genossenschaft organisiert die Royal Flora Holland seit mehr als 1000 Jahren den internationalen Marktplatz für Produzenten und Käufer. Verrückt: Von hier aus geht’s wieder weiter in die gesamte Welt.