Müllentsorgung an Karneval: Mit Logistik gegen Abfall

Veröffentlicht am: 20.02.2020 | Autor: Die Transportbotschafter | Kategorie(n): Logistikwissen

AWB entfernt Müll an Karneval in Kölns Straßen

Die fünfte Jahreszeit der Jecken und Karnevalisten läuft auf Hochtouren. Höhepunkt bilden die Umzüge am Sonntag und Rosenmontag in den Hochburgen des Karnevals. Die Städte erwarten Hunderttausende Zuschauer – und jede Menge Müll. Er entsteht vor allem durch Kamelle, Konfetti, Essensreste, zerquetschte Dosen und Kurze, kleine Fläschchen aus dickem Glas. Laut Festkomitee Kölner Karneval werden alleine beim Umzug am Rosenmontag 300 Tonnen Süßigkeiten geworfen. Wohlgemerkt nebst Blumensträußen, Schokolade und kleinen Geschenken. Es grenzt an eine Sensation, wie es den Kölner, Mainzer und Düsseldorfer Reinigungskräften gelingt, die Straßen während der närrischen Tage sauber zu halten.

Die Städte planen den Karnevalseinsatz ihrer Reinigungskräfte rund vier Wochen vorher. „Wir haben 306 Mitarbeiter in der Straßenreinigung, die alle auch an einem normalen Montag unterwegs wären“, sagt Ralf Böhme, Sprecher der Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Awista in Düsseldorf. Davon reinigen am Rosenmontag 232 Mitarbeiter die 8,2 km lange Zugstrecke. Zusätzliches Personal werde nicht benötigt und es gebe genug Freiwillige, die an Karneval arbeiten wollen. „Sie sammeln dabei Überstunden und außerdem macht dieser Einsatz auch noch Spaß“, fügt er hinzu. Als erfahrene und eingespielte Teams sorgen sie zuverlässig für saubere Straßen.

AWB Köln beseitigen an Karneval 370 Tonnen Müll

Bei fast 75 Umzügen und Veranstaltungen von Weiberfastnacht bis Karnevalsdienstag sorgen die Mitarbeiter der Abfallwirtschaftsbetriebe Köln (AWB) für saubere Straßen und Plätze. 330 Mitarbeiter und 130 Fahrzeuge setzen die AWB allein am Karnevalssonntag ein. Denn an diesem Tag finden die meisten Veranstaltungen des Kölner Straßenkarnevals statt. Sie putzen aber auch abseits der Züge die Straßen, etwa rund um den Dom und den Hauptbahnhof in der Innenstadt. Denn auch dort kommt es durch die vielen jecken Besucher zu erhöhten Verschmutzungen. „Im Vorjahr haben wir insgesamt rund 370 Tonnen Abfälle zusammengetragen“, sagt AWB-Sprecher Jörg Daniel. Rein rechnerisch bedeutet das: An einem normalen Sonntag bringt es die AWB auf 36 Tonnen Müll, am Karnevalssontag dagegen auf 61.

Düsseldorfer Awista kehrt fast rund um die Uhr

Auch die Mitarbeiter der Awista sind an den Karnevalstagen fast rund um die Uhr unterwegs. Schon nach „Altweiber“, dem Auftakt am Donnerstag, an dem rund 24 Tonnen zusätzlicher Müll in der Altstadt anfällt, starten 33 Mann um vier Uhr morgens mit Kehrmaschinen, Laubsaugern, Kleinkehrmaschinen und Kehrichtfahrzeugen. Damit sind die meisten Gassen der Altstadt bereits um acht Uhr vom Schmutz befreit. Die Kollegen reinigen derweil am Rosenmontag zwischen zwei Uhr nachts und elf Uhr am Morgen die Zugstrecke, um um 14 Uhr direkt hinter dem letzten Zugwagen wieder mit 90 Mann und 44 Fahrzeugen zu starten. Es ist der Zug nach dem Zug. Die Einsatzleitung rechnet in diesem Jahr mit bis zu 100 Tonnen Müll.

Mainzer Rosenmontagszug von 64 Kraftfahrer und Müllwerker begleitet

Die Hauptlast des Müllaufkommens entsteht auch in Mainz beim Rosenmontagszug. Insgesamt sind 124 Mitarbeiter des Entsorgungsbetriebes der Stadt Mainz an allen närrischen Tagen mit Besen, Kehrblechen und Fahrzeugen auf Tour. „Mit professioneller Routine nehmen wir den Zugweg mit 64 Kraftfahrern und Müllwerkern nach dem Ende von mehreren Seiten in Angriff“, sagt Hermann Winkel, Werkleiter des Entsorgungsbetriebes der Stadt Mainz. Manche Innenstadtbereiche können ihm zufolge aber erst in den sehr frühen Morgenstunden des Folgetags gereinigt werden, da die „Saubermänner“ aufgrund der Menschenmengen mancherorts nicht durchkommen.

Glasverbot verringert Entsorgungsmenge und reduziert Unfälle

Alle drei Städte haben schon vor Jahren ein Glasverbot ausgesprochen. Jecken, die dennoch Gläser und Glasflaschen mitbringen, müssen ihre Getränke vor Ort in Plastikbecher umfüllen und ihre Glasbehälter in den eigens dafür aufgestellten Tonnen entsorgen. „Das spart Kosten, erhöht allseits die Sicherheit und mindert Verletzungsgefahren“, erläutert Winkel. Mit dem Verbot habe sich das Gewicht des Mülls bereits um einige Tonnen verringert.

Die Transportbotschafter wünschen allen Jecken einen frohen Karneval, Fasching, Fastnacht, Fasnet, Fastelovend – kurzum eine bunte fünfte Jahreszeit! Und allen Einsatzkräften von Polizei, Rotem Kreuz, Feuerwehr, uvm.: herzlichen Dank!

Müllentsorger im närrischen Einsatz

 KölnMainzDüsseldorf
Aktive Karnevalisten12.000 Personen9.500 Personen8.700 Personen
Erwartete Zuschauer1.500.000 Personen1.000.000 Personen500.000 Personen
Kamelle am Rosenmontagszug300 Tonnen130 Tonnen200 Tonnen
Erwartete Müllmenge370 Tonnen90 bis 95 Tonnen90 bis 100 Tonnen
Personaleinsatz zur Abfallbeseitigung200 Personen124 Personen200 Personen
Fahrzeuge zur Abfallbeseitigung954290

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