Gefährdete Radfahrer: So lassen sich Fahrradunfälle vermeiden

Veröffentlicht am: 10.09.2020 | Autor: Die Transportbotschafter | Kategorie(n): Sicherheit

Dooring - ein Fahrradfahrer fährt neben ein parkendes Auto, dessen Fahrertür aufgerissen wird. So entstehen viele Fahrradunfälle

Fahrradfahrer zählen zu den am meisten gefährdeten Teilnehmern im Straßenverkehr. Das liegt u.a. daran, dass sie wesentlich schneller aber ähnlich ungeschützt sind als Fußgänger. Während die Zahl der Verkehrsunfälle in den vergangenen Jahren stetig gesunken ist, lässt sich bei Fahrradunfällen noch kein derartiger Trend ablesen: 86.897 Fahrradfahrer waren im vergangenen Jahr in einen Unfall verwickelt. Das macht im Schnitt 238 verletzte Radfahrer pro Tag. Wie kann das sein?

Endgegner Autos – Gefahr im Bewegungs- und Parkzustand

Unfälle mit Fahrradfahrern haben verschiedene Ursachen. Eine der häufigsten ist, dass sie übersehen werden – etwa von abbiegenden Fahrzeugen. Je schwerer die abbiegenden Fahrzeuge sind, desto größer ist die Gefahr für die Radler. Deshalb engagieren wir uns im Rahmen der Aktion „Achtung! Toter Winkel“ und schulen Kinder im Umgang mit rechtsabbiegenden Lkw. Denn die Sicht bei Güterkraftfahrzeugen ab 7,5 Tonnen ist besonders stark eingeschränkt, sobald der Fahrer den Abbiegevorgang eingeleitet hat. Besonders in der Kombination Lkw-Fahrrad können vorausschauendes Fahren und gegenseitiges Verständnis über Leben und Tod entscheiden. Aktuell arbeiten wir außerdem an einem Video, das Lkw-Fahrer dabei unterstützen wird, ihre Spiegel richtig einzustellen.

Doch es sind nicht nur Fahrzeuge in Bewegung, die Radfahrern gefährlich werden können. Auch stehende Fahrzeuge stellen eine große Gefahr für Radfahrer dar. Das hat jüngst eine Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) ergeben. Demnach wurden in Sachsen-Anhalt in den Jahren 2012 bis 2016 rund 18 % aller Fahrradunfälle von parkenden Autos verursacht. Das größte Risiko geht dabei von Autotüren aus, die ohne Schulterblick aufgerissen und Radfahrern in den Weg gestellt werden. Nicht selten kommt es dadurch zu schwerwiegenden Stürzen oder gefährlichen Ausweichmanövern. Dabei lässt sich das Dooring-Risiko durch einfache Tricks wie dem Holländischen Griff (Dutch Reach) vermeiden. Wir zeigen sie euch in unserem Video:

Denkt daran: Nicht nur der Fahrer muss auf Radfahrer achten. Sobald das Auto steht, sind alle Türen potenzielle Kollisionsgegenstände. Deshalb müssen Fahrer, Beifahrer und sämtliche Insassen an den Hintertüren sorgsam sein und sich vor dem Aussteigen nach anderen Verkehrsteilnehmern umsehen.

Assistenzsysteme gegen Dooring

Gegen die häufig unterschätzte Gefahr des Dooring wirken auch Assistenzsysteme. Einige Fahrzeuge bringen bereits die technische Ausrüstung mit, um diese Art von Unfällen zu vermeiden. Sie erkennen, wenn sich ein Fahrrad oder E-Scooter nähert und warnen den Fahrer des Pkw. Diese sogenannten Ausstiegswarner entspringen dem Assistenten, der eigentlich vor Verkehrsteilnehmern im Toten Winkel warnt. Einige Autohersteller haben ihn jedoch so weiterentwickelt, dass er Autofahrer auch dann vor herannahenden Personen warnt, wenn ihr Fahrzeug geparkt ist.

In der Praxis arbeiten etwa die Fahrzeughersteller Audi, Mercedes, Ford und Seat an einem oder mehreren der folgenden Warnsignale gegen Dooring – oder setzen sie bereits in ihren Modellen ein:

  • optisches Signal im Außenspiegel
  • optische Signale am Innern der Fahrzeugtüren
  • akustisches Signal im Innenraum des Fahrzeugs
  • automatische Türverriegelung

Wie wichtig es ist, die bereits verbaute Sensorik auch im ruhenden Zustand zu nutzen, zeigt ein aktueller Blick in unsere Innenstädte. Denn neben Radfahrern gibt es auch immer mehr E-Scooterfahrer. Sie können ähnlich schnell unterwegs sein wie Radfahrer, tragen aber wesentlich seltener einen Helm.

Rücksichtnahme unter Radfahrern

Eine dritte Ursache für Fahrradunfälle liegt übrigens bei Radfahrern selbst. Von den 300.143 Unfällen mit Personenschaden im Jahr 2019 wurden nahezu zwei Drittel von Autofahrern verursacht. Dann allerdings folgen Radfahrer mit 43.018 verursachten Unfällen. So gibt es das Statistische Bundesamt in einer Statistik vom 14. Juli 2020 an. Dieses Argument mag unpopulär sein, aber genau wie die Abbiegeunfälle und die Dooring-Unfälle sind von Radfahrern verursachte Unfälle Teil des Problems. Zu dessen Lösung wir als Transportbotschafter beitragen wollen. Denn damit unsere Straßen sicherer werden, sind wir alle gefragt.

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