Eine Frage der Logistik: China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner

Veröffentlicht am: 27.02.2020 | Autor: Die Transportbotschafter | Kategorie(n): Logistikwissen

Handelspartner China Deutschland mit Containerschiff und Flaggen

Ob Smartphones, Bekleidung oder Spielsachen, das Label „Made in China“ findet sich auf vielen Produkten, die wir in Deutschland im stationären Handel kaufen können. Längst ist es dank Alibaba und Co. auch möglich, Waren aus China online zu bestellen. Und umgekehrt setzen die Chinesen auf „Made in Germany“, etwa bei Maschinenbauprodukten.

Vielen Verbrauchern wird es gerade erst aufgrund des Coronavirus klar: Die Volksrepublik ist Deutschlands wichtigster Handelspartner. Im vergangenen Jahr verteidigte sie ihre Spitzenposition bereits zum vierten Mal in Folge. Nach vorläufigen Ergebnissen wurden Waren im Wert von knapp 206 Milliarden Euro zwischen Deutschland und China gehandelt. Vor allem der Import chinesischer Waren ist seit Jahren hoch, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigen. China ist damit das einzige Land, bei dem der deutsche Außenhandel einen dauerhaften Importüberschuss verzeichnet. Doch wie kommen die Waren hierher und welche Transportwege nehmen sie dabei?

Chinaware kommt per Containerschiff

Werden Waren zwischen China und Deutschland bewegt, fällt die Entscheidung meist zwischen den Transportmitteln Schiff, Bahn und Flugzeug. Auch wenn in den vergangenen Jahren einige Lkw-Speditionen das Potenzial der Neuen Seidenstraße für sich entdeckten, ist die Straße noch kein ernstzunehmender Wettbewerber für die klassischen Transportwege. Bei der Wahl des Transportmittels spielen vor allem Kosten und Zeit eine Rolle. Am häufigsten kommt deshalb das Containerschiff zum Einsatz. Der Transport ist damit sehr günstig, auch wenn er im Schnitt 30 Tage dauert.

Die zentrale Warendrehscheibe zwischen dem Reich der Mitte und Deutschland bzw. Europa bildet der Hamburger Hafen. So wurden 2019 im seeseitigen Containerverkehr mit China insgesamt 2,6 Millionen 20-Fuß-Standardcontainer (TEU) umgeschlagen – 1,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Für dieses Jahr rechnen die Betreiber allerdings mit einem Einbruch. „Zwar bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen das Coronarvirus auf die Mengen im Außenhandel mit China haben wird. Es wird aber je nach Länge der Einschränkungen in der chinesischen Wirtschaft zu einem deutlichen Rückgang kommen“, sagte Axel Mattern, Vorstand Hafen Hamburg Marketing (HHM), bei der Präsentation der aktuellen Zahlen.

Bislang jedoch transportieren die zwölf Liniendienste, die Hamburg mit chinesischen Häfen unterhält, fast jeden dritten Container. Pro Jahr bewegen diese Schiffe laut HHM Ladung mit nahezu 24 Millionen Tonnen Gesamtgewicht. Von Hamburg führt die Route über den Atlantik nach Tanger (Marokko) und von dort über die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer. Weiter geht’s über den ägyptischen Sues-Kanal und das Rote Meer ins Arabische Meer. Dort ziehen die Containerschiffe vorbei an Indien durch die Straße von Malakka nach Singapur. Nach 30 Tagen erreichen die Schiffe schließlich China mit Stationen in Hongkong, Xiamen, Shanghai, Dalian und Tianjin. Rund 20.000 km legen die Containerriesen zurück und nehmen dabei bis zu 20.000 TEU auf.

Schienenverbindung über die neue Seidenstraße

Ein Teil des Ladungsvolumens wird auch per Luftfracht abgewickelt. Das geht in rund vier Tagen vergleichsweise schnell, ist allerdings um ein Vielfaches teurer als der Seetransport. Seit einigen Jahren gewinnt der Landweg zunehmend an Bedeutung. Grund dafür ist die Neue Seidenstraße, ein logistisches Megaprojekt der chinesischen Regierung. Per Eisenbahn bietet beispielsweise Hamburg mittlerweile wöchentlich 36 Verbindungen ins Reich der Mitte an, wie HHM berichtet. Das sind rund 120.000 TEU pro Jahr, die per Schiene über die Neue Seidenstraße befördert werden – Tendenz weiter steigend.

Die 2013 von den Chinesen initiierte Strecke verläuft von Xi’an in Zentralchina über etwa 9.400 km durch Kasachstan, Russland, Weißrussland und Litauen bis zum Verwaltungsbezirk Kaliningrad an der Ostseeküste. Von dort sie über die Grenze nach Europa ins polnische Braniewo und schließlich nach Hamburg, Neuss oder Duisburg. Von dort gelangen die Waren ins Hinterland. Die Zugfahrt dauert zwischen 12 und 16 Tagen und führt in der Regel rund 40 Container mit.

Deutschland exportiert Kfz-Teile und Maschinen

Aus dem Reich der Mitte kommen vor allem Computer, Datenspeicher, Batterien, Elektromotoren und Haushaltsgeräte nach Deutschland, aber auch Bekleidung, Schuhe und Spielzeug. Insgesamt betrug der Wert der importierten Ware 2019 knapp 110 Millionen Euro. Autos, Kfz-Teile, Maschinen sowie chemische Erzeugnisse sind hingegen die wichtigsten deutschen Exportgüter nach China. Ihr Wert betrug rund 96 Milliarden Euro. Mit einem Ausfuhranteil von sieben Prozent spielt China für Deutschland eine deutlich wichtigere Rolle als für alle anderen EU-Länder, heißt es im aktuellen Report des Instituts der deutschen Wirtschaft.

Mittlerweile wird das sogar zum Problem: „In Deutschland sind ganze Industriezweige von China abhängig, weil sie wichtige Komponenten von dort beziehen – wie beispielsweise die Fahrradbranche“, sagt Anthonie de Jong, COO beim Gepäckträger-Spezialisten Tubus in Münster. Viele Unternehmen seien an die importierten Produkte gebunden, ein Herstellerwechsel kann nicht so leicht erfolgen. Und obwohl die Chinesen in der Lage sind, sehr schnell sehr gute Qualität zu günstigen Preisen zu liefern, komme es mitunter zu Problemen. „Ist die Kette einmal unterbrochen, führt das sofort zu Lieferengpässen“, erläutert er. Aktuell passiert genau das aufgrund des Coronavirus.