Der Kaffee-Transport: Von der Plantage in die Tasse

Veröffentlicht am: 06.02.2020 | Autor: Die Transportbotschafter | Kategorie(n): Logistikwissen

Ein Spielzeug-Lkw ist mit Kaffeebohnen beladen.

Ayana sitzt auf einem niedrigen Schemel. Der Platz ist mit frisch geschnittenen  Palmenblättern ausgelegt. Sie hat die guten getrockneten Kaffeebohnen bereits ausgesucht, gewaschen, auf einer Eisenplatte über dem Feuer geröstet und zerstoßen. Dann kocht die Gastgeberin den Kaffee in ihrer Jabana auf, die in Äthiopien typische bauchige Kaffeekanne aus Ton.

Äthiopien ist berühmt für seinen Kaffee. Das Land gehört zu den 10 größten Exporteuren von Kaffee, obwohl die Äthiopier mehr Kaffee konsumieren als ausführen. Seinen Ursprung soll der Kaffee in den Provinzen Kaffa im Südwesten und Sidamo im Süden haben. Wir genießen aktuell ein Tässchen auf der Halbinsel Zeghie im Tana-See, wo überall wilder Kaffee wächst. Hier gedeihen die sensiblen Arabica-Kaffeepflanzen gut, denn es herrscht das ganze Jahr über ein ausgeglichenes Klima ohne extreme Hitze und Kälte sowie ausreichend Niederschlag. Der Wald spendet außerdem viel Schatten.

Auf Zeghie wird der Kaffee traditionell geerntet und aufbereitet. Die Kaffeepflücker drehen die sogenannten Kirschen vom Strauch ab, damit das Fruchtfleisch bis zur Weiterverarbeitung intakt bleibt. Anschließend werden die Kaffeekirschen mehrere Wochen in der Sonne getrocknet, sodass sich die Schale leicht ablöst. Die Pflücker müssen sie regelmäßig wenden, damit sie nicht faulen.

Blick auf Kaffeekirschen in Äthiopien. Foto: Nicole de Jong

Die 10.000 Kilometer lange Reise des Kaffees

Danach werden die noch rohen Bohnen in 60-kg-Jutesäcke gefüllt und mit Lkw in die Hauptstadt Addis Abeba gebracht. Für die rund 500 Kilometer benötigen die Fahrzeuge mehr als 10 Stunden. Bevor es für die Bohnen in den Export geht, sortieren Arbeiter in großen Hallen schrumpelige oder beschädigte Bohnen aus. Die besten Bohnen wiederum werden in Säcken per Lkw in die 900 km entfernte Hauptstadt des Nachbarlandes Dschibuti gebracht. Der Hafen von Dschibuti am Golf von Aden ist ein bedeutendes Logistik-Hub am Horn von Afrika.

Von dort aus gelangt der Kaffee per Containerschiff durch die Meerenge Bab al-Mandab ins Rote Meer. Das Tor der Tränen, wie die Meeresstraße auf Deutsch heißen würde, zählt zu den meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt. Weiter geht es durch den Sueskanal ins Mittelmeer und von dort durch die Straße von Gibraltar in den Atlantik. Die vielgereisten Kaffeebohnen umrunden in einer 21 Tage währenden Schifffahrt Europa und gelangen schließlich nach Hamburg.

Hamburg verlädt 700.000 Tonnen Kaffee jährlich

Der Hamburger Hafen gilt als Europas wichtigster Umschlagplatz für Rohkaffee. Jedes Jahr werden hier laut Hamburg News 700.000 Tonnen Kaffee umgeschlagen. Im Hafen angekommen, wird der Kaffee entweder gelagert oder direkt zu verarbeitenden Betrieben, den Röstereien, transportiert. Danach wiederum geht es per Lkw zum Lebensmitteleinzelhandel oder zur Gastronomie. Knapp 400.000 Tonnen werden von Hamburg aus nach Osteuropa und Skandinavien weiter transportiert.

Auf der Plantage in Äthiopien gießt Ayana das schwarze Getränk in kleine Tassen. Sie liebt die Kaffeezeremonie, die sie mehrmals täglich vollzieht. Für sie ist es ein kleines Wunder, dass ihre Kaffeebohnen Tausende von Kilometern zurücklegen. Sie werden nicht nur nach Deutschland, sondern in die ganze Welt transportiert. Sie selbst hat es noch nie weiter als in die rund 1,5 Bootsstunden entfernt gelegene Provinzhauptstadt Bahir Dar geschafft.

Fairtrade für mehr Gewinn

Je nach Sorte wird Kaffee an der Londoner oder New Yorker Börse gehandelt. Der Markt will ihn so günstig wie möglich ein- und so teuer wie möglich verkaufen. Die Kaffeebauern verrichten mit dem Anbau und der Ernte der Bohnen zwar einen Großteil der Arbeit in der Wertschöpfungskette, doch ihr Verdienst reicht oft kaum zum Überleben. 80 Prozent des Kaffees wird von 25 Millionen Kleinbauernfamilien produziert, die weniger als 10 Hektar Land besitzen. Viele leben von weniger als 2 Dollar pro Tag, oft in abgelegenen Gegenden.

Die 1992 gegründete Initiative „TransFair“ hat deshalb das sogenannte Fairtrade-Siegel eingeführt. Damit können die Bauern den Kaffee direkt ohne Zwischenhändler verkaufen und haben etwas mehr Geld übrig. Fairtrade-Kaffeekooperativen sind demokratisch organisiert. Damit haben die Kaffeebauern eine größere Verhandlungsmacht und die Möglichkeit, Anschaffungen gemeinschaftlich zu tätigen.