Parkplatznot: Fehlende Stellplätze an deutschen Autobahnen sind ein großes Sicherheitsrisiko

, ein Beitrag von den Transportbotschaftern
Auf dem Bild sieht man einen Rastplatz aus der Vogelperspektive. Dutzende LKW`s parken auf diesen Rastplatz.

Lkw sind die am stärksten genutzten Verkehrsmittel im Güterverkehr in Deutschland. So belief sich ihr Anteil laut Statista an der insgesamt erbrachten Transportleistung im Güterverkehr im vergangenen Jahr auf rund 72 Prozent. Prognosen zufolge soll er bis zum Jahr 2022 noch weiter steigen. Ohne Lkw würde die Versorgung in Deutschland zusammenbrechen. Und Deutschland ist Europas Transitland Nummer 1. Jeder, egal aus welcher Himmelsrichtung Europas er kommt, muss ein großes Stück deutsche Autobahn benutzen.

Laut Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) fehlen derzeit 30.000 bis 40.000 Stellplätze für Lkw. Und der Bedarf steigt mit dem zunehmenden Straßengüterverkehr jedes Jahr weiter. Es fehlt an Parkraum für die, die nur durchfahren und irgendwo schlafen müssen ebenso wie für die, die ihre gesetzlich vorgeschriebenen Fahrzeiten einhalten wollen.

Zur Not wird auf Standstreifen der Autobahn geparkt

Fahrer suchen oft lange ergebnislos nach vernünftigen Parkplätzen mit sauberen Toiletten, Duschen und bezahlbarem Essen. Die Not ist groß. Oftmals ist es schon nachmittags so eng, dass fast nichts mehr geht. Viele stellen sich dann einfach auf den Standstreifen der Autobahn, weil sie nicht wissen, wohin sie sollen. Doch das ist sowohl für sie selbst als auch den übrigen Verkehr gefährlich. Schwerste Unfälle sind schon passiert, weil andere Lkw- oder Autofahrer die Hindernisse zu spät erkannt haben.

Und die Parkplatznot ist nicht nur ein Logistikproblem. "Denn ausgeruhte Lkw-Fahrer erhöhen die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer“, sagt Prof. Dr. Dirk Engelhardt, Hauptgeschäftsführer des BGL. Fehlende Lkw-Stellplätze entlang der deutschen Autobahnen sind ein großes Sicherheitsrisiko auch in Sachen Ladungskriminalität. Während Zigaretten und Medikamente besonders gesichert auf Tour gehen und meist in speditionseigenen Sicherheitslagern abgestellt werden, wird aus parkenden Lkw alles geklaut, was sich im Internet oder am Schwarzmarkt verkaufen lässt. Eine willkommene Alternative sind Autohöfe, die höchstens 1 km von der Anschlussstelle entfernt liegen und privat finanziert, gebaut und betrieben werden sowie häufig viel Platz haben. Allerdings gibt es auch davon nicht genug.

Für viele ist die Parkplatznot ein Ergebnis politischen Versagens. Doch auch die Politik unternimmt inzwischen große Anstrengungen, um die Lücke beim Parkplatzbau irgendwann schließen zu können. "Nur wenn der Zubau an Lkw-Stellplätzen schneller ansteigt als der stetig wachsende Zusatzbedarf, werden wir das Problem in den Griff bekommen", betont Engelhardt. Um den Mangel schnellstmöglich zu beseitigen, solle die Politik auf Bundes- und europäischer Ebene durch entsprechende Förderprogramme Anreize für zusätzliche Lkw-Stellplätze etwa auf Betriebshöfen der Transportunternehmen und Speditionen oder bei der verladenden Wirtschaft setzen.

Das Land Niedersachsen verspricht nun 1.800 neue Parkplätze bis 2025. Der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg genügt diese Absicht jedoch nicht und fordert deshalb, Lkw-Stellplatzkapazitäten insbesondere an den Fernverkehrsstrecken A 1, A 2, A 7 und künftig auch A 39 vorausschauend und bedarfsgerecht zu schaffen und zu erweitern.

Auch Gewerbegebiete werden als Lkw-Abstellflächen gesucht

Auf kommunaler Ebene sollten außerdem geeignete Flächen für Park- und Rastanlagen ausgewiesen sowie sichere Lkw-Abstellflächen und, wo sinnvoll und möglich, Autohöfe eingerichtet werden. Auch innerhalb von Gewerbegebieten sollten entsprechende Flächen ausgewiesen werden. Doch auch hier sind Lkw nicht immer willkommen oder der Weg dorthin ist zu weit von der Route entfernt und kostet wertvolle Lenkzeit.

Medienberichten zufolge entstehen an den niedersächsischen Autobahnen derzeit Hunderte neue Stellplätze für Lkw. Neun Rastanlagen werden neu gebaut, fünf weitere ausgebaut. Insgesamt sollen die Lkw-Fahrer so demnächst 456 neue Parkplätze nutzen können. Die Schwerpunkte der Arbeiten liegen an der A1 mit 200 Parkplätzen und an der A7 mit 142 Parkplätzen. Von den weiteren Bauprojekten profitieren die Fahrer an der A2 (50 Parkplätze), A33 (40 Parkplätze) und A38 (24 Parkplätze).

In Baden-Württemberg läuft's neuerdings ganz anders beim dringend notwendigen Ausbau der Lkw-Stellplätze an den Autobahnen. Da die Erweiterung bestehender Parkplätze schwierig ist und häufig auf Ablehnung bei nahegelegenen Kommunen stößt, sucht das Verkehrsministerium nun in einer öffentlichen Ausschreibung Unternehmen wie Speditionen oder Logistikfirmen, Kommunen oder Privatleute, die bereit sind, vorhandene Flächen auch als Lkw-Stellplätze zur Verfügung zu stellen. Die Straßenbauverwaltung sichtet und bewertet die Vorschläge. Es ist zudem vorgesehen, dass diese dann geeignete Flächen als LKW-Stellfläche herrichtet. Bleibt abzuwarten, ob dieser Weg von Erfolg gekrönt sein wird.


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