Bauernprotest: Auch Transport gibt’s nicht umsonst

Veröffentlicht am: 26.11.2019 | Autor: Die Transportbotschafter | Kategorie(n): Logistikwissen

Lkw-Fahrer solidarisieren sich mit Bauern

Die Proteste der Bauern gehen weiter. Am Montag demonstrierten sie in Düsseldorf. Bei einer Kundgebung forderte Ursula Heinen-Esser (CDU), Agrarministerin in Nordrhein-Westfalen, Verbraucher auf, mehr Verantwortung für eine nachhaltige und auskömmliche Landwirtschaft zu übernehmen. Sie seien gegen den Einsatz von Pflanzenschutzmittel und forderten mehr Tierwohl. „Aber sie rennen gleichzeitig zu den Discountern und wollen möglichst wenig für Fleisch und sonstige Produkte bezahlen”, monierte sie vor demonstrierenden Bauern, wie „Rheinische Post” und „Welt” berichteten. „Wer mehr will, der muss dafür bezahlen”, betonte Heinen-Esser.

Preisdruck auch in der Logistik

„Die Parallelen zur Logistik sind unverkennbar”, sagt Jens Thiermann, Vorsitzender der Transportbotschafter. Wie die Landwirte stehen auch Transportdienstleister und Speditionen wegen des immensen Preisdrucks vor vielen Herausforderungen. „Transportunternehmen sorgen täglich dafür, dass die Ladenregale voll sind.” Doch angemessen gewürdigt werde die Versorgungssicherheit der Verbraucher kaum, moniert Thiermann und mahnt: „Hauptsache billig führt auch beim Transport in die Sackgasse.”

Falsche Verbrauchersignale

Mit den Auswirkungen des Preisdrucks hat die Branche Logistik und Transport zunehmend zu kämpfen. Da wäre zum einen der massive Mangel an Lkw-Fahrern in Deutschland, eine unmittelbare Folge des Preisdumpings. Er macht es für Transportunternehmen zur Herausforderung, Liefertermine zu halten und die Versorgung von Handel und Industrie mit benötigten Gütern pünktlich sicherzustellen. „Doch Transport gibt’s nicht umsonst”, betont Thiermann. Obwohl dies Verbrauchern gerade im Online-Handel suggeriert würde. Verbraucherhinweise wie „ohne Versandkosten” würden falsche Signale setzen.

„Keiner macht sich klar, dass ohne Logistik nichts funktioniert – sie ist das Rückgrat unserer Wirtschaft”, so Thiermann. Würden Deutschlands Transportunternehmer auch nur einen Tag lang streiken, wären nicht nur einige Verkehrsknotenpunkte lahmgelegt. Anders als beim Bauernprotest würde sich das ganze Land in einem Ausnahmezustand befinden.